Dreiste Praxislüge

Dreiste Praxislüge

Lesezeit: in ca. 3 Minuten gelesen

Ja, ich bin in der Pause. Ich weiß. Aber heute Morgen habe ich etwas erlebt, das mir echt die Schuhe ausgezogen hat. Ich muss das jetzt einfach mal mitteilen, weil ich es unglaublich dreist und unverschämt fand und mein Ärger darüber immer noch nicht verflogen ist.

Einleitung:
Der Junior leidet seit Donnerstag voriger Woche an Husten, der sich über das zurückliegende Wochenende verstärkt hat und seine Hustenattacken quälen ihn sehr. Also habe ich gestern Abend beschlossen, ihn heute Morgen zuhause zu lassen und mit ihm zur Kinderärztin zu gehen.

Da ich weiß, die Praxis bittet um vorherige Anmeldung per Telefon, sofern kein fester Termin vorliegt, rief ich also dort an und brauchte erstmal zig Anrufversuche (circa 10 im Abstand von je 2-3 Minuten) ehe ich tatsächlich zu einer Sprechstundenhilfe durchkam. Nachdem ich ihr mitgeteilt habe, weshalb ich mit dem Junior in die Praxis kommen möchte, sagte sie zu mir: „Einen freien Termin kann ich Ihnen leider nicht anbieten. Zudem ist unsere Praxis gerade mit Kindern voll, die krank sind. Jedes Kind hustet zur Zeit. Ich kann Ihnen etwas gegen den Husten verschreiben. Sie müssen ihn dann zuhause damit behandeln. Kommen Sie das Rezept einfach abholen und wenn der Husten nicht innerhalb von 3 Tagen besser ist oder verschwunden, dann melden Sie sich wieder und kommen mit Ihrem Kind in die Praxis.“

Ah ja, also blind ein Medikament verschreiben gegen den Husten des Juniors!? Ohne ihn vorher mal abzuhören!? Uuund ggf. in 3 Tagen wieder kommen – also im Praxisurlaub oder wie?

„Ich hätte gerne, dass mein Sohn abgehört wird. Sein Husten ist schlimm geworden, besonders nachts. Es ist ein <bellender> Husten, der sich in meinen Ohren nicht gut anhört. Außerdem klagt er über Schmerzen in Zusammenhang mit dem Husten.“, erklärte ich, da ich mich am Telefon in der Art nicht abspeisen lassen wollte. „Wann können Sie denn da sein?“, wurde ich fast schon genervt gefragt und ich gab an innerhalb der nächsten 10 Minuten in der Praxis sein zu können. „Na gut, dann kommen Sie. Sie können dann direkt zur Ärztin durch.“ Wie? Die Praxis ist mit kranken Kindern voll, aber ich kann direkt zur Ärztin durch? Okay, um so besser!

Also fuhr ich gemeinsam mit dem Junior zur Praxis, die im Ort ansässig ist. Wir haben nicht länger als 10 Minuten gebraucht. Tatsächlich kamen wir sofort zur Ärztin durch. Sie hörte den Junior ordentlich ab. Sie war nicht kurz angebunden, sondern ließ sich Zeit. Sie verschrieb nach der Untersuchung ein Medikament und wünschte uns frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Wo liegt nun das Problem?
Wo versteckt sich nun die „dreiste Praxislüge“? Als ich mit dem Junior zur Tür der Praxis hinein kam und ins Wartezimmer sah, erblickte ich…NIEMANDEN! Keine Menschenseele war da! Das Wartezimmer war vollkommen leer. Kein einziger besetzter Stuhl. Und ich habe mich direkt gefragt, wo genau denn nun all die kranken Kinder sein sollen. Rufen wir uns nochmals diese Aussage zurück ins Gedächtnis: „[…] Zudem ist unsere Praxis gerade mit Kindern voll, die krank sind. […]“

Ich empfinde dies als dreiste Lüge und ich sollte als Mutter einfach am Telefon mit einem Rezept zur Selbstbehandlung des Juniors zuhause abgespeist werden, ohne dass die Ärztin je einen Blick auf ihn riskiert hätte und ohne ihn zumindest einmal abgehört zu haben. Hätte ich nicht in die Praxis kommen können heute Morgen, wäre ich zu einem anderen Kinderarzt gefahren.
Es kann nicht sein, dass sich ein Arzt/eine Ärztin weigert, den Patienten vor der Verschreibung eines Medikaments zu sehen. Und es darf auch nicht sein, dass sich ein Arzt/eine Ärztin davor zu drücken versucht, indem das blinde Ausstellen eines Rezepts angeboten wird. Wo sind wir denn???

Bin ich die Einzige, die das so sieht? Was sagt ihr dazu? Hättet ihr „Ja“ zu dem Rezept gesagt, ohne Euer Kind zuerst dem Arzt/der Ärztin vorzustellen? Oder hättet ihr auch darauf bestanden, dass das Kind zumindest mal abgehört wird?

8 Kommentare bei “Dreiste Praxislüge

  1. Ein Medikament verschreiben, ohne den Patienten gesehen zu haben, geht gar nicht, sofern es nicht ein Medikament ist, was der Patient dauerhaft nehmen muss.

    Ganz ehrlich, sowas sollte man an entsprechender Stelle melden.

    LG Frauke

    1. @Fraukografie:
      Liebe Frauke!
      Das empfinde ich genau so. Ich fand das schon sehr unverschämt. Ich habe es an entsprechender Stelle gemeldet.

      Viele Grüße, Sandra!

  2. Also ich bin entsetzt !
    Aber man hört allgemein, dass es so abläuft, gerade in den Kinderarztpraxen !
    Meiner Tochter erging es auch so mit ihren Beiden, aber sie hat nicht auf eine Behandlung bestanden.
    Gottseidank geht es mittlerweile wieder besser mit meinen Enkelchen.
    Allerdings sieht es bei unserem Kinderarzt tatsächlich so aus, dass die Eltern vor der Praxis in Schlange stehen, sowas gibt es auch.
    Ist mit deinem Junior nun alles in Ordnung ?
    Dann wünsche ich dir eine entspannte Blogpause, mögt ihr alle die Weihnachten genießen können
    Liebe Grüße
    Jutta

    1. @Jutta Kupke:
      Liebe Jutta!
      Nun ja, der Junior hustet und hustet und hustet. Hört sich ganz schlimm an. Und heute Nacht hatte er über Bauchschmerzen geklagt. Saß in der Nacht bei ihm auf dem Bett bis er dann endlich wieder eingeschlafen war. Hab mal vorsorglich was gegen Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall besorgt. Damit wir versorgt sind über Weihnachten. Kann ja immer mal noch was dazu kommen.

      Viele Grüße, Sandra!

    1. @Bernhard:
      Lieber Bernhard!
      Genau so läuft das gerade hier ab. Es ist nur noch grausam. Und heute hieß es beim GöGa: „Wir haben das Medikament nicht vorrätig. Das kann auch so schnell nicht geliefert werden. Leider besteht hier ein Lieferengpass.“ Na super…brauchst heutzutage gar nimmer krank werden…ansonsten biste verloren.

      Viele Grüße, Sandra!

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