Altglasfotografie

Altglasfotografie

Ich habe im September 2021 die Altglas-Fotografie für mich entdeckt. Auf dieses Hobby wurde ich durch einen Blogger aufmerksam, der sich ebenfalls damit beschäftigt, aber in einem sehr viel größeren Rahmen als ich dies tue (siehe Blog-Tipp unten).
Für meine Altglas-Fotografie setze ich Objektive ein, die über ein M42 Schraubgewinde verfügen. Diese lassen sich perfekt an meine Canon EOS 2000D adaptieren. Viele Vintage Objektive erzeugen wunderschöne Nostalgie-Bilder mit einem Hauch des Besonderen. Viele, wenn nicht sogar alle, lassen sich auch entsprechend umbauen, um ein noch schöneres/ausgefalleneres Bokeh erhalten zu können (z. Bsp. Swirly-Bokeh, Bubbles-Bokeh, Square-Bokeh u. s. w.).

Die Objektive mit dem M42 Schraubgewinde wurden ab den 1940er bis in die 1970er Jahre hergestellt und verfügen über ein Schraubgewinde, einen mechanischen Anschlag oder über Markierungen. Die Bezeichnung M42 steht dabei für den Objektivanschluss. Der Buchstabe M bezeichnet den metrischen Durchmesser. Zu früheren Zeiten war dieser Objektivanschluss sehr weit verbreitet und wurde u. a. von Pentax, Praktica oder Photo Porst unterstützt, die eine Vielzahl an M42-Kameras angeboten haben. In der Neuzeit allerdings spielen Objektive mit M42 Anschluss nur noch eine Nebenrolle. Aber trotzdem gibt es noch sehr viele Liebhaber dieser „Vintage-Schätzchen“.

M42-Objektive wie auch die entsprechenden Kameragehäuse (= Body) sind weiterhin als 
Gebrauchtware käuflich zu erwerben.

Ein Altglas adaptieren

„Etwas an andere Gelegenheiten anpassen“, damit lässt sich der Begriff „adaptieren“ vielleicht beschreiben!? In Bezug auf die Fotografie ist gemeint: alte Objektive, wie die mit M42 Objektivanschluss, an moderne Kameras (z. Bsp. Canon EOS 2000D) mittels geeignetem Adapter anbringen und nutzen.

Die alten M42-Objektive lassen sich an vielen Kameras verwenden, für die es entsprechende Objektivadapter gibt. Zwar ist eine Adaption auf viele Systeme möglich, dennoch sollte unbedingt Vorsicht geboten sein. Es sollte zum Beispiel darauf geachtet werden, dass die Kamera, die für die Altglas-Fotografie eingesetzt werden soll, dazu in der Lage ist, die Belichtungsmessung durch das Objektiv auch bei Arbeitsblende (= aktuell eingestellte Blende) durchzuführen.

„Objektive mit M42-Gewinde lassen sich an fast allen Kameras verwenden, für die es mechanische Objektivadapter gibt. Grundsätzlich ist die Adaption auf viele Systeme möglich, dazu müssen aber oft überstehende Blendenübertragungsteile entfernt und/oder manipuliert werden. Auch steht die hintere Linse bei Fokus auf unendlich gegebenenfalls zu weit heraus und beschädigt dann Kamera und/oder Objektiv. In der Regel gehen dann meist jegliche Automatikfunktionen bis auf die Zeitautomatik verloren.“

Quelle: Wikipedia

Hier ist zu sagen, dass dies gemäß der Aussage von Fachleuten eine sehr verallgemeinerte Aussage ist, da es eine enorme Vielzahl an M42-Objektiven gibt. Grundsätzlich wird es dann für die Kamera gefährlich, wenn die Hinterlinse des Objektivs zu weit in das Kameragehäuse hinein ragt. Ob ein M42-Objektiv mittels Adapter an der vorgesehenen Kamera Verwendung finden kann, ohne dass die Kamera einen Schaden davon trägt, lässt sich sehr leicht selbst überprüfen:

Den Adapter einfach auf das M42-Objektiv setzen. Dann nachsehen, ob das Objektiv noch über den Adapter nach hinten hinaus ragt. Ist dies nicht der Fall, kann nichts passieren. Ragt das Objektiv allerdings nach hinten raus, so ist es ratsam, das Objektiv nicht an der Kamera zu verwenden.

An DSLR Kameras sollten keine Beschädigungen auftreten, sofern alle notwendigen Maßnahmen dagegen ergriffen wurden und der geeignete Adapter eingesetzt wird. Unter bestimmten Umständen können Schäden an Vollformat-DSLRs auftreten, zum Beispiel dadurch, dass der Spiegel beim Auslösen an das Objektiv anstößt. Somit wäre unbedingte Vorsicht bei dem Einsatz einer Vollformat-DSLR geboten.

Welcher Adapter ist richtig?

Bei der Auswahl eines geeigneten Adapters ist es wichtig darauf zu achten, dass dieser maßhaltig gefertigt wurde, denn dann stimmt auch das Auflagemaß. Weitere und detailliertere Informationen darüber lassen sich zu Hauf im Internet finden.

Abraten würde ich von einem Adapter mit Fokus-Chip. Dieser stellt keine automatische Fokussierung dar, wie vielfach angenommen wird. Der Chip ist nur dazu da, in der Kamera lediglich eine Funktion einzuschalten, die zum Autofokus der Kamera gehört und ein einfacheres, manuelles Fokussieren ermöglichen soll. Das funktioniert aber eher schlecht als recht. Da der Vorgang sowieso manuell bleibt, auch mit Fokus-Chip im Adapter, ist der Kauf eines Adapters mit Fokus-Chip nicht notwendig.

Wenn auch ihr in die Altglas-Fotografie schnuppern wollt, klärt zunächst alle Details ab
und lest Euch ein bisschen in die Materie ein.
Stellt sicher dass Eure Kamera keinen Schaden davon tragen wird, wenn ihr mittels Adapter
ein analoges Objektiv anschließen wollt.

Blog-Tipp:

Ein sehr interessantes Blog, das sich mit dem Thema Altglas-Fotografie beschäfigt, ist das Blog von Bernhard:

Der Amateur Photograph

Ich gehöre zu seinen regelmäßigen Kommentatoren und StammleserInnen. Durch Bernhard habe ich das erste Mal etwas von der Altglas-Fotografie erfahren. Allerdings hat es etwas gedauert bis auch ich mich in diesem Bereich ausprobieren wollte.

Mein erstes Altglas plus Foto

Nachdem ich nun dank Bernhard auf den Geschmack gekommen war, musste auch ein Altglas her. Ich habe eine Kleinanzeigen Plattform genutzt, um nach einem Altglas Ausschau zu halten. Und siehe da: es hat nicht lange gedauert! Schon war ein Altglas gefunden.

Meine Wahl fiel auf das
Domiplan 50mm f/2.8 automatic lens

In der Anzeige stand, dass dieses Objektiv mit dem entsprechenden Adapter auf Canon EOS EF verkauft wird. Vollends überzeugt hat mich aber dann die Tatsache, dass es sich hier um ein Altglas der deutschen Firma Meyer-Görlitz handelt, das qualitativ hochwertig ist und zudem ein außergewönliches Seifenblasen-Bouquet zaubert (ich liebe „Bubbles“ auf Bildern).

Meine Recherche im Internet hat ergeben, dass das Domiplan 50mm f/2.8 automatic lens dem bekannten und beliebten Tripolan 100mm f/2.8 II sehr ähnlich ist. Das Domiplan ist – wie auch das Tripolan – in der Lage dazu, Lichter im Bokeh als Ringe mit leuchtendem Rand abzubilden, wie es keine andere Optik vermag. Weil es sich hier um ein sogenanntes Triplet Objektiv mit nur drei Linsen handelt, ist dieser Effekt möglich.

Weiteres über das Domiplan:
Die maximale Blendenöffnung beträgt f/2.8, wobei die kleinste Blendenöffnung f/22 beträgt. Das Domiplan verfügt natürlich nicht über einen modernen automatischen Fokus. Der Fokus muss bei diesem Altglas vor jeder neuen Aufnahme nochmal neu von Hand gesetzt werden. Das kleine Schätzchen wiegt ca. 125gr. Die Naheinstellgrenze liegt bei 75cm, es verfügt über 6 Blendenlamellen und einem 49mm Filtergewinde.

Das Domiplan stammt aus ostdeutscher Produktion und wurde von Meyer-Optik Görlitz hergestellt. Es handelt sich um eine Festbrennweite mit einer Brennweite von 50mm und einem M42 Objektivanschluss.

Getestet habe ich mein erstes Altglas nicht unter freiem Himmel, sondern indoor (also in der Wohnung). Als Motiv diente mir ein süßes kleines gelbes Pflänzchen. Da ich mit dem manuellen Programm meiner Canon gearbeitet habe, musste ich sämtliche Einstellungen (z. Bsp. Blende, Belichtungszeit, ISO…) von Hand zu Fuß einstellen.

[Klicke auf das Bild, um es in der Lightbox vergrößert anzusehen]

Für ein Objektiv, das bereits zwischen 40 und 50 Jahren auf dem Buckel hat, ist die Qualität des Bildes absolut zufriedenstellend. Ich mag die weiche Zeichnung des Bildes und den ganz eigenen Charme, den es versprüht. Die Farben kommen dezent, aber durchaus sehr schön, zur Geltung.

Meine Altglas-Objektive (A bis Z)

BezeichnungBrennweiteLichtstärke
Agfa Agomar85mm3.5
Agfa Color-Agolar60mm2.8
Auto Berolina28mm2.8
Auto Mamiya/Sektor50mm2.8
Auto Reflecta55mm1.7
Auto Revuenon35mm2.8
Auto Universar35mm2.8
Auto Weltblick MC35mm3.5
Carenar45mm2.8
Carl Zeiss Jena DDR50mm2.8
Domiplan Meyer-Optik Görlitz50mm2.8
Ennagon Enna München85mm2.8
Helios 44-258mm2.0
Helios 44M-458mm2.0
Industar50mm2.8
Isco-Göttingen V/S – Projar MC90mm2.4
Isco-Göttingen Westron35mm2.8
Pallas Magenta AM35mm2.8
Panagor Auto Wide Angle28mm2.5
Pentagon Auto Multi Coating29mm2.8
Petri C. C Auto55mm2.8
Porst Color Reflex Auto55mm2.8
Porst Weitwinkel Auto35mm2.8
Will-Wetzlar Maginon85mm2.8

Kleine Helferlein

Neben den genannten Altglas-Objektiven habe ich weitere kleine Helferlein, die mich beim Fotografieren mit Altglas ein bisschen unterstützen. Welche Helferlein sind das?

  • 2xTelekonverter (= verdoppelt die Brennweite) für M42 Objektive
  • Carbon-Optik Schiebetubus
  • Diverse Filter
  • Diverse Sonnenblenden
  • Lochblende (selbst gebastelt)
  • Makroringe für M42 Objektive (8mm, 14mm, 28mm)
  • Natürlich Adapter von M42 auf EOS EF bzw. EF-S
Weitere Altgläser: ein kleiner Auszug (Überblick)

Welche Objektive gehören zum sogenannten Altglas? Antwort: reichlich viele! Ein sehr kleiner Auszug an Altglas habe ich nachfolgend für Euch zusammengestellt.

Standardobjektive

Konica

  • Hexanon AR 40mm f/1.8
  • Hexanon AR 50mm f/1.4

Porst

  • Color Reflex Auto MC 55mm f/1.2
  • Color Reflex Auto MC 55mm f/1.4

Revue

  • Auto Revuenon 50mm f/1.9
  • Auto Revuenon 55mm f/1.4

Zoomobjektive

Minolta

  • MD Zoom 35-70mm f/3.5
  • MD Zoom 70-210mm f/4.0

Olympus

  • S. Zuiko Auto Zoom 28-48mm f/4.0
  • S. Zuiko Auto Zoom 35-70mm f/4.0

Vivitar

  • Macro Focusing Zoom 70-150mm f/3.8
  • Macro Focusing Zoom 75-205mm f/3.8

Teleobjektive

Minolta

  • MC Tele Rokkor 135mm f/2.8
  • MC Tele Rokkor 135mm f/3.5

Nikon

  • Nikkor Ai 180mm f/2.8
  • Nikkor AI-S 85mm f/2.0

Pentacon

  • 200mm f/4.0
  • 300mm f/4.0

Quelle: Altglas-Container