My neverending Story mit dem Trickbetrug

Sicherlich werdet ihr Euch lebhaft an meinen Beitrag mit dem Titel „Trickbetrug! – Gewinnspielfalle mit Zeitschriften-Abo“ erinnern. Darin hatte ich berichtet, dass ich auf so etwas hereingefallen war und sogar meine IBAN herausgegeben hatte (was ich niemals hätte tun dürfen!). Außerdem gab es einige Zeit später einen zweiten Teil, der sich „Trickbetrug! Teil II – eine E-Mail trudelt ein“ nannte. Darin berichtete ich, dass mich eine dubiose E-Mail mit dem Betreff „Frau Hübel, haben Sie vergessen, Ihre Teilnahme zu bestätigen?“ erreichte. Ich solle doch bitte meine E-Mail Adresse bestätigen, hieß es weiter. Jedoch ignorierte ich diese E-Mail.

Dann blieb es ruhig.
Keine ungültigen Bewegungen auf meinem Konto, keine weiteren E-Mails oder gar unerwünschte Anrufe – weder auf dem Festnetz, noch auf dem Handy – folgten. Zwischenzeitlich hatte ich mich auch bei der zuständigen Polizeidienststelle nach dem aktuellen Stand der Bearbeitung meiner Strafanzeige, die ich gestellt hatte, erkundigt und mitgeteilt, dass keine weiteren Zwischenfälle mehr vorkamen. Meine Strafanzeige wird jedoch (natürlich!) weiterhin existent bleiben und verfolgt werden. Vor allem wird sie um alles bereichert werden, was in dieser Sache ggf. noch eintrudelt (z. Bsp. die angesprochene E-Mail oben ↑).

Heute (19. August 2021) exakt um 11:00 Uhr am frühen Mittag klingelte mein Handy. Die Nummer +49 431 7277**** stand im Display, obwohl mir unbekannt hob ich ab, meldete mich aber nur mit einem knappen „Hallo?“. Ganz kurz blieb es ruhig, bis eine Dame sich am anderen Ende der Leitung zu Wort meldete. Es ging darum, dass ich einen Vertrag geschlossen haben soll – im Internet und unter Akzeptanz der gültigen AGB dieses (keine Ahnung) Unternehmens, dieser Firma oder was auch immer.
Nun seien mir, gemäß der Aussage dieser Dame, gleich mehrere E-Mails zugesandt worden, auf die ich jedoch nie geantwortet hätte. Ich hätte diese E-Mails ignoriert und da ich nicht gekündigt hätte und die Frist für eine Kündigung wohl auch abgelaufen war, hätte sich der Vertrag automatisch um weitere 9 Monate verlängert und ich müsse nun pro Monat ca. 60 Euro zahlen.

Ich frage mich und fragte sie: „Wofür soll ich zahlen?“ Sie sagte, es ginge um Reisegutscheine und Ähnliches. Von denen ich bis heute (natürlich!) nichts gesehen habe. Ja spinn‘ ich denn? NEIN! Also bohrte ich weiter: „Wenn ich einen Vertrag im Internet geschlossen hätte, hätte mir doch etwas Schriftliches darüber zugehen müssen. Ich bekam bis heute aber keine Post.“ – „Sie konnten sich im Internet auf Facebook, Instagram, DM, Rossmann u. s. w. registrieren und das haben Sie getan.“ Also bekam ich auf meine Frage schon mal keine konkrete Antwort. Das fand ich verdächtig und ließ mich zusätzlich einen „Abzocke-Anruf“ vermuten.

Dann sagte ich: „Ich wurde im April angerufen. Ich hätte gewonnen, müsse aber ein Zeitschriften-Abo abschließen, um den Gewinn zu erhalten.“ – „Nein, das hat mit uns nichts zu tun!“, konterte sie fast schon etwas zu schnell. „Gut, wenn Sie das nicht waren, dann kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen, dass ich weiter keinen Vertrag oder Ähnliches geschlossen habe.“ „Aber Sie wurden doch am 20. November 1976 geboren. Oder ist das nicht Ihr Geburtsdatum?“ Ja, das ist es, aber wie einfach ist es heute, sich vielerlei Daten aus dubiosen Quellen zu besorgen? Antwort: Super einfach!!! Demnach für mich also nicht wirklich ein „Beweis“ dafür, dass ich vor Monaten einen Vertrag abgeschlossen haben soll.

„Hören Sie“, sagte ich schon sehr genervt: „Ich habe keine E-Mails von Ihnen erhalten und auch keine gelöscht. Die einzige E-Mail, die ich habe, kam von einer gewissen Petra Schmidt. Sind Sie das?“ – „Nein, das bin ich nicht.“, sagte sie schließlich. Die Dame beharrte darauf, dass dieser Vertrag zustande gekommen wäre und dass ich mich dadurch rechtskräftig zu regelmäßigen Zahlungen verpflichtet hätte. Dann aber kam die Wende dieses Telefonats!

Wieder bestätigte ich der Dame: „Mir gingen weder E-Mails zu, noch Briefe, noch sonst irgendetwas.“ und erläuterte ihr: „Ich habe das Telefonat damals, bei dem mir ein angeblicher Gewinn weiß gemacht wurde, bei der Polizei zur Anzeige gebracht, weil es sich um Betrug handelte. Diese Angelegenheit wird also strafrechtlich verfolgt.“ Und eh‘ ich dann noch etwas hinzufügen konnte, hieß es am anderen Ende der Leitung:

„Ah…, ich werde die Sache an die zuständige Abteilung weiterleiten. Und die wird sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen.“ Ich stur: „Okay, tun Sie das.“ Eine ordentliche Verabschiedung wie etwa „Auf Wiederhören“ oder „Gut, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag“ oder ähnliches kam nicht mehr zustande. Nicht, dass mir dies viel Wert gewesen wäre, aber aufgrund der doch recht flotten Beendigung dieses Telefonats seitens der Dame mit einem knappen „Tschüss“ vermute ich, Unseriösität auf allen Ebenen.

Sobald das Wort „Polizei“ fiel, wurde sie kleinlaut und beendete das Gespräch. Sie beharrte auf gar nichts mehr, erwähnte keine AGBs mehr, welchen ich angeblich zugestimmt haben soll, sie erwähnte keine E-Mails mehr und sie bestand auch nicht darauf, dass dieser Vertrag (welcher auch immer das sein soll!) Bestand hat und meinerseits erfüllt werden muss.

Sicherlich werdet ihr mit mir einer Meinung sein, wenn ich mal behaupte, dass dies kein seriöser Anruf war. Die Dame sagte mit dem Anruf aus dem April hätte sie nichts zu tun. Somit muss es sich hier ja dann um etwas „Unabhängiges“ handeln, um etwas, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt getan haben soll. Es muss sich also um einen Vertrag handeln, der mit dem Gewinnspiel aus dem ersten Anruf nichts zu tun hat.

Und ich schwöre Euch, nach dem besagten April-Telefonat habe ich keinerlei Vertrag mit irgendwem geschlossen. Ich lerne aus meinen Fehlern! Und ich habe gelernt, an keinen Gewinnspielen im Internet teilzunehmen, nicht einmal dann, wenn es sich um Plattformen wie z. Bsp. Instagram oder Facebook handelt. Nicht einmal dann, wenn bekannte Marken wie z. Bsp. Ferrero dafür benutzt werden. Denn es kann sich überall um Fake handeln und meist wissen die Unternehmen gar nichts davon und können ein angebliches Gewinnspiel nicht bestätigen.

Dieses Mal war ich am Telefon weitaus hellhöriger und vorsichtiger als noch im April. Ich gab keinerlei Daten raus und ich ließ nicht locker. Ich bestätigte nichts und ich ließ mich auf nichts ein. Natürlich habe ich auch den Inhalt dieses Anrufs bei der Polizei zu meiner Strafanzeige hinzufügen lassen und zwar direkt nachdem ich aufgelegt hatte. Denn ich vermute trotz der verneinenden Aussage der Dame, dass dieser Anruf ggf. dennoch im Zusammenhang mit dem Trickbetrug von damals stehen könnte. Und falls nicht, handelt es sich um einen neuen Betrugsversuch und der ist bei der Polizei natürlich gut aufgehoben. Solchen Anrufe(r)n muss Einhalt geboten werden! Auch das Berichten darüber hilft, denn es wird gelesen und vielleicht kann ich so (m)einen Teil dazu beitragen, dass andere gewarnt sind.

Trickbetrug! Teil II – eine E-Mail trudelt ein

Sicherlich könnt ihr Euch noch daran erinnern, dass ich auf einen Trickbetrug am Telefon herein gefallen war. Ich habe in diesem Beitrag (Hinweis: den Beitrag müsst ihr gelesen haben, um diesen Teil II zu verstehen!) darüber berichtet. Sofort nachdem ich aufgelegt hatte, stöberte ich durchs Internet und recherchierte. Eigentlich wollte ich mir Informationen zu der Firma holen, die ich am Rohr hatte. Aber es kam anders: ich fand zich Beiträge über das Thema „Trickbetrug“ und „Gewinnspielfalle mit Zeitschriften-Abo“ (das war die Masche, die mir zum Verhängnis wurde).

Einige Erfahrungsberichte waren aktuell, andere wiederum schon etwas älter. Aber eines hatten alle Beiträge gemeinsam. Die Geschädigten berichteten unabhängig voneinander über die selbe fiese Masche, die da durchgezogen wurde. Und ich erkannte fast alles wieder! Genau so war es mir auch ergangen! Und ich (blödes Hinkel) überließ denen auch noch meine IBAN – ja, ich weiß, ich gehöre gevierteilt!

Gut, daran lässt sich nun nichts mehr ändern und ich kann es leider auch nicht mehr rückgängig machen. Das Einzige, dass ich zukünftig tun kann, ist besser aufzupassen und halt mal zuerst nachzudenken, bevor ich handele und mich einlullen lasse.

Damals wurde mir am Telefon gesagt, ich bekäme innerhalb der kommenden 5-7 Werktagen Post. Nun sind bereits 17 Tage ins Land gezogen, an denen KEINE Post kam. Auch mein Konto blieb bis zum heutigen Tage absolut unangetastet. Dafür kam am 30. April 2021 eine E-Mail in mein elektronisches Postfach geflattert, deren Inhalt ich umgehend zur Polizei nach Völklingen gesendet habe, damit dieser meiner getätigten online Strafanzeige hinzugefügt wird. In der mir zugesandten E-Mail war dieser Text zu lesen:


Frau Hübel, haben Sie vergessen, Ihre Teilnahme zu bestätigen?

Hallo Frau Hübel,

gestern haben Sie an unserer Kinder Produkte-Aktion teilgenommen, aber Ihre E-Mail Adresse wurde noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass nur bestätigte Anmeldungen teilnehmen können.

Wenn der Button nicht funktioniert, kopieren Sie den Link in die Adressleiste Ihres Browsers: http://www.xyz.com (Link von mir anonymisiert)


Ja, ja klar doch.
Ich habe „gestern“ (also am 29. April 2021) an einer Kinder Produkte-Aktion teilgenommen. Klar, hab‘ ich das, aber auch nur in deren Träumen! Einmal den Link angeklickt und schon hab‘ ich weitere Probleme am Hals. Nein, dieses Mal nicht. Dieses Mal bin ich nicht kopflos, sondern überlegt und handele nicht überstürzt. Die E-Mail veranlasste mich zu einem Schmunzeln und ich dachte nur: „Klar, ihr Spinner!“

Ungewöhnlicher Inhalt – diese Punkte fielen auf!

Zwischen den beiden Absätzen „Hallo Frau Hübel,…“ und „Wenn der Button nicht funktioniert,…“ ist KEIN Button zu erkennen, obwohl auf einen Button aufmerksam gemacht wird wie aus dem Text deutlich hervorgeht. ABER, wenn ich den Text in meinem E-Mail Programm nun komplett von oben nach unten markiere, taucht plötzlich der Schriftzug „E-Mail Adresse bestätigen“ zwischen diesen beiden Absätzen auf. Ist das koscher??? Nö!!! Der Button wurde hier – sicherlich – mit purer Absicht unkenntlich gemacht. Warum? No idea!

Das Auffällige an dieser E-Mail sind nicht zuletzt auch die Adressdaten. Achtung, jetzt kommt’s! Aufgepasst. Am Ende der E-Mail waren diese Daten zu lesen:

– Naturvel PTE. Ltd. – 26 Eng Hoon Street, Singapore 169776 – Singapur –

Die Naturvel PTE. Ltd. ist unter der Registernummer 201431968D bei der zuständigen Aufsichtsbehörde (ACRA) in Singapur eingetragen und wird durch den Geschäftsführer Wai Siew Peng gerichtlich und außergerichtlich vertreten.

Die Aktion, an der ich angeblich teilgenommen haben soll, wurde – auch hier wieder: angeblich – von Kinder-Schokolade also dem Unternehmen Ferrero veranstaltet. Weshalb dann Adressdaten aus Singapur?

Außerdem fiel mir noch etwas auf. Der in der E-Mail eingetragene Link verfügt nicht über https://www.xyz.com, sondern „nur“ über http://www.xyz.com. Dies bedeutet meines Wissens nach, dass die Datenübertragung hier nicht verschlüsselt – also auch nicht sicher – ist. HTTP kann abgefangen werden und ggf. auch verändert werden. Und das führt dazu, dass meine Informationen und auch ich angreifbar werden. Will ich das? NEIN!!! Demnach lasse ich hier schön die Fingerchen weg.

Das Wort „Abmelden“, welches mit einem Link hinterlegt ist, bildete den Abschluss der E-Mail. Was ich da abmelden kann und wohin dieser Link führt…pfff…keine Ahnung, denn ich werde ihn nicht anklicken! In Anlehnung an den Namen des Geschäftsführers Wai Siew PENG (fiktive Person?), haben die den KNALL doch nicht gehört. Oder???

Mein Fazit

Wenn ich an einer Aktion von Ferrero (Kinder-Schokolade) mitgemacht hätte, würde ich dann tatsächlich eine E-Mail erhalten mit Adressdaten aus Singapur? Nein! Wenn das Unternehmen Ferrero tatsächlich geschrieben hätte, würden sie dann einen Link mit „http://“ mitsenden? Nein! Und: würden sie den Button „E-Mail Adresse bestätigen“ verstecken? Wieder ein Nein! Und zu guter Letzt fehlte der E-Mail eine anständige Signatur mit z. Bsp. Vorname & Name des Absenders, Adresse des Unternehmens, Telefon-Nr., Telefax-Nr. u. s. w. Ich denke sogar, dass Ferrero ein Logo in seine E-Mail einbinden würde. Fake und Verarsche auf ganzer Linie, aber dieses Mal OHNE mich!!!

Nun bin ich gespannt, ob noch eine Fortsetzung des Ganzen kommen wird oder ob durch meine Untätigkeit die Sache im Sande verlaufen wird. Meine IBAN ist (leider!) bekannt, doch bisher: keine ungewöhnlichen Kontobewegungen! Was die Absicht hinter der E-Mail und den klickbaren Links sein soll, bleibt mir unklar. Vielleicht habt ihr eine Vermutung!?

Ich kann mir nur vorstellen, dass die Betrüger ggf. weitere Daten, auch Passwörter, abgreifen wollen – durch die unsichere Verbindung mit http:// ja wohl problemlos machbar, denke ich.

Trickbetrug! Gewinnspielfalle mit Zeitschriften-Abo

Bitte, nehmt Euch 10 Minuten Zeit und lest diesen Beitrag von Anfang bis Ende aufmerksam durch! Ich danke Euch dafür sehr!

Was war passiert?

Ich saß am Handy und stöberte durch das Internet. Ich war auf der Social-Media Plattform Instagram unterwegs. Da fiel mir ein Gewinnspiel auf. Augenscheinlich konnte man ein Testpaket gewinnen (von Kinderschokolade [Ferrero]). Ohne groß zu überlegen, öffnete ich die Webseite und wollte daran teilnehmen (sonst nehme ich NIE an online Gewinnspielen teil, es sei denn die Quelle ist bekannt [z. Bsp. befreundete Blog-Kollegen]). Zunächst erschienen „normale“ Fragen, die sich auf das Produkt bezogen haben. Denen folgten bald Fragen nach Versicherungen (ähnlich wie: würden Sie den und den Vertrag abschließen wollen?). Darauf konnte man NUR mit „Ja!“ antworten, es gab keine weiteren Auswahlmöglichkeiten. An dieser Stelle habe ich beschlossen, die Teilnahme an diesem Gewinnspiel abzubrechen. Denn was haben Versicherungen mit Schokolade zu tun? Ich habe die Teilnahme also NICHT ordentlich zu Ende gebracht. Ob ich jedoch zuvor meine Daten wie Name, Telefonnummer etc. bereits in ein Formular eingetragen hatte, weiß ich (leider!) nicht mehr.

Ich habe schon gar nicht mehr an das Gewinnspiel gedacht, da läutete das Handy. Das war am Ostermontag, 05. April 2021. Es muss so ca. 11:30 Uhr oder 12:00 Uhr gewesen sein, denn der GöGa (Fahrer) und ich (Beifahrer) fuhren gerade zu seiner Mutter, die uns um 12:30 Uhr erwartet hatte. Ich nahm den Anruf entgegen und eine freundliche Stimme ließ mich wissen: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ Ich war reichlich verwirrt und da wir gerade im Auto saßen, bat ich darum, am nächsten Tag erneut anzurufen und das Gespräch war beendet. Am nächsten Tag, das nahm ich mir fest vor, wollte ich den Sachverhalt (auf)klären.

Tatsächlich läutete tagsdrauf das Handy wieder, aber auf dem Display stand eine andere Rufnummer. So hob ich dieses Mal nicht ab. An diesem Tag klingelte es noch weitere 5-8 Male, immer mit jeweils anderer Nummer. Ich nahm keinen der Anrufe entgegen, da es nicht die Rufnummer war, die mich das erste Mal kontaktiert hatte. Ich wurde in den Tagen darauf täglich zwischen 5 und 10 Mal angerufen und jedes Mal erschien eine andere Rufnummer. Dann folgte eine Pause von ca. zwei Tagen. Gestern, 16. April 2021, läutete das Handy erneut (ca. um 13:30 Uhr) und obwohl es auch dieses Mal eine andere Rufnummer war, hob ich ab und wünschte mir schon sehr bald, ich hätte es nie getan.

Eine Dame war am anderen Ende der Leitung. Sie war ultra freundlich und höflich obendrein. Ihre Stimme klang angenehm. „…Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen. Einen Gutschein im Wert von 500 Euro, bei Amazon, Rewe etc. einlösbar. Er lautet auf Ihren Namen und ist daher nicht übertragbar. Nur Sie können ihn einlösen…“ (ungefährer Wortlaut). „Sie erinnern sich noch daran, dass Sie an einem Gewinnspiel teilgenommen haben?“, wurde ich gefragt und ich (saudumme Kuh) sagte: „Ja, aber nur ganz dunkel.“ (wir erinnern uns: die Teilnahme an o. g. Gewinnspiel habe ich nie ordentlich zu Ende gebracht, sondern abgebrochen). Die nette Dame kannte meinen vollständigen Namen, meine komplette Anschrift und auch das korrekte Geburtsdatum. Ooookay…woher wusste sie das? Ich muss sie wohl doch eingetragen haben! Aber sie wurden trotz Abbruch übertragen? Warum auch immer, dass ich zwar an einem Gewinnspiel teilnehmen wollte, aber abgebrochen hatte, sagte ich ihr nicht.

Skurril

Immer noch sehr freundlich und höflich erläuterte die Dame weiter, es fände bald noch eine „große Verlosung“ statt, in der es Geldpreise zu gewinnen gäbe und nannte mir hohe Summen. Sie sagte weiter, wenn ich der Gewinner eines Geldpreises sein würde, müsste ich den Gewinn ja auch versteuern. Jetzt das Skurrile: daher sollte ein Zeitschriften-Abo als Sponsor fungieren, irgendwie so. Ja, ich gebe zu, ich habe nicht alles verstanden, was sie sagte. Gerade auch, weil die Dame ohne Unterlass einem Redeschwall verfallen war, dessen Tempo selbst das der Lichtgeschwindigkeit in den Schatten stellte. Ihre letzte Fortbildung hieß wohl: „Wie lerne ich so zu reden, wie Speedy Gonzeles rennt?“

Es wird noch besser

Die persönlichen Daten hatte sie ja bereits (Vorname, Familienname, Straße, Hausnummer, PLZ, Wohnort wie auch das Geburtsdatum). Was ihr noch fehlen würde, so sagte sie, sei die IBAN. Ihre Begründung war die folgende: „Wenn Sie der Gewinner eines Geldgewinnes werden, dann sind wir dazu angehalten den gewonnenen Betrag schnellstmöglich an Sie auszuzahlen.“ Nicht die PIN oder weitere Daten wollte die Dame von mir, „nur“ die IBAN. Das war auch schon alles! Hirn, Du bist offenbar irreparabel geschädigt, denn da war es auch schon über die Bühne gegangen und sie kannte die IBAN.

Hey…konnte gerade deutlich hören, wie ihr Eure Köpfe auf die Tischplatte haut…

Somit war das Kind also in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen und kam nicht mehr raus! Zu spät, viel zu spät, versuchte ich mich noch an einem Rettungsversuch. „Haben Sie eine Telefonnummer für mich, falls ich Rückfragen haben sollte?“, wollte ich wissen, doch die Dame wiegelte ab: „Sie erhalten in den nächsten Tagen Post. Darin finden Sie alle benötigten Informationen.“ Punkt und Ende, aber höchst freundlich.

Am Ende des Telefonats sagte die Dame noch, ich bekäme in den nächsten 5 Minuten einen weiteren Anruf. Dieser sei vom Qualitätsmanagement und sie fragte mich, ob ich damit einverstanden wäre. „Ja!“ (klar, nein sagen ist ja out).

Das „Qualitätsmanagement“ ruft an

Während ich mir den vollständigen Namen der ersten Dame (angeblich: Lisa Neumann) gemerkt, ja sogar notiert, hatte (auf ihren Wunsch hin), war ich beim zweiten Anruf schon so durch den Wind, dass ich den Namen hörte, aber sofort wieder vergaß. Ich kann hier leider auch nicht mehr genau sagen, wie das Gespräch abgelaufen war, aber ich weiß noch ziemlich sicher, dass ich gefragt wurde, ob ich das Gespräch mit der anderen Dame soweit verstanden hätte, wonach ich etwas ähnlich Bescheuertes wie „Ähm…denke schon.“ von mir gab. Bravo, super Leistung Sandra. Gratuliere zu diesem qualifizierten Erguss.

Dann begann es von vorn. Auch diese Dame kannte die Fortbildung „Wie lerne ich so zu reden, wie Speedy Gonzeles rennt?“ Sie redete wahnwitztig schnell und hastig, ratterte ihren Text gekonnt und fehlerfrei runter. Ich kam da kaum gedanklich mit. Es gab nicht eine einzige Sekunde, in der ich über das Gehörte nachdenken konnte. Viel zu schnell ging alles. Und trotzdem – der gesunde Menschenverstand hatte mich nun gänzlich verlassen – stimmte ich dem Zeitschriften-Abo zu, versuchte aber auch letztlich noch abzuklären, ob dieses Abo auf jeden Fall widerrufbar ist und die Dame sagte etwas ähnliches wie: „Das bleibt Ihnen überlassen!“

Dann hieß es in ihren Erläuterungen weiter: „Der Betrag X wird von Ihrem Bankkonto bei der [Name der Bank] per Lastschrift einbezogen [1x/Halbjahr].“ Da dämmerte es mir plötzlich (ach was, jetzt schon?): ähm, Moment…Sekunde…war vorhin nicht die Rede von Qualitätsmanagement? Das hat doch nichts mit Qualitätsmanagement zu tun, der ganze Abo-Mist hier. Aber wie schon gesagt: Hirn irreparabel geschädigt und dann ging auch noch der gesunde Menschenverstand von Bord.

Späte Einsicht

Öhm, was war da gerade passiert? Bin ich noch zu retten? War ich echt jetzt so völlig verblödet mir völlig fremden und darüber hinaus auch noch dubiosen Personen meine verdammte IBAN mitzuteilen? Nee, oder!? Sicher geträumt, kneif mich mal…autsch, fuck, doch kein Traum. Mit 44 Jahren so eine Dummheit zu begehen! Verdammt noch mal!

Umgehend nach den beiden Telefonaten stöberte ich unter dem Suchbegriff „Gewinnspielfalle mit Zeitschriften-Abo“ durch das Internet und stieß dabei auf viele weitere Fälle, in denen es eins zu eins so abgelaufen war wie bei mir. Nicht nur ich alleine, nein, noch andere Personen fielen darauf herein. Ich las Kommentare ähnlich wie z. Bsp. „…Gewinn kommt nie an, aber Zeitschriften-Abo am Hals…“, „…kann mich nicht erinnern je an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben…“, „Auch ich bin Opfer…“, „…wie dumm ich war, denen meine Daten zu nennen…“ und so weiter. Nachdem ich mir einen Bericht auf der Seite der Verbraucherschutzzentrale durchgelesen hatte, entschloss ich mich dazu, die Polizei einzuschalten.

Ich griff zum Telefon und wandte mich an die örtliche Polizeidienststelle. Nachdem ich dem Herren erklärt hatte, was vorgefallen war, empfahl dieser mir, Strafanzeige zu stellen; entweder persönlich oder online. Darüber hinaus sagte er, ich solle die angekündigte Post abwarten, und dann umgehend Widerspruch (Frist: 14 Tage) einlegen. Hinweis: wenn ich nicht ordentlich über mein Widerrufsrecht informiert werde, dann beträgt mein Widerrufsrecht sogar ein Jahr und 14 Tage (online recherchiert). Der Polizist sagte mir, mit einer Strafanzeige hätte ich schon mal eine Ereignisnummer, auf die ich mich bei Bedarf beziehen könne.

Es war nicht notwendig, mich auch noch mit meiner Bank in Verbindung zu setzen, denn logischerweise werde ich sämtliche Vorgänge streng im Auge behalten, täglich auf mein Konto gucken und verdächtige Abbuchungen umgehend zurückbuchen lassen (hierführ entstehen keine Kosten, auch dann nicht, sollte das Konto dadurch ins Minus rutschen). Rückbuchungen können bis zu 8 Wochen nach Einzug vollzogen werden. 13 Monate beträgt die Rückbuchungsfrist, sollten Beträge widerrechtlich abgebucht werden (online recherchiert).

Wie geht’s jetzt weiter?

Verständlicherweise ließ mir das Ganze keine Ruhe (selbst schuld, Sandra) und ich las und las und las. Überall das Selbe: kein Gewinn, dafür aber ein unliebsames Zeitschriften-Abo am Hals. Nachdem ich hier und da gelesen hatte, bin ich der Meinung, dass mir nicht mehr als ein Zeitschriften-Abo (erfolgreich) verkauft wurde, das ich eigentlich niemals gewollt hatte. Mehr nicht, das hoffe ich – und dem werde ich natürlich widersprechen sobald die angekündigte Post in meinem Briefkasten landet. Da werde ICH zu „Speedy Gonzales“.

Bestärkt in meinem Glauben daran werde ich durch einen Gesprächsfetzen, den ich noch im Kopf habe: „Dieses Gespräch wird aufgezeichnet.“ Davon war beim ersten Gespräch, der Mitteilung darüber, dass ich stolzer Gewinner eines 500 Euro Gutscheins sei, keine Rede. Und im zweiten Telefonat wird mit keinem einzigen Wort mehr das Gewinnspiel erwähnt. Es wird nur über das Zeitschriften-Abo gesprochen.

Schweigen oder Reden?

Warum ich? Ich mache doch so etwas sonst nie! Meine Bankdaten fremden Menschen überlassen? Never, ever! Und doch hab ich’s getan. Warum nur? Gott, wie blöd. „Mir passiert so etwas nie.“, habe ich immer gesagt, „Ich bin vorsichtig.“ Ja, klar…

Zunächst habe ich überlegt, mich ins stille Kämmerlein zurück zu ziehen und in Selbstmitleid zu baden. Denn mit jemandem darüber reden bedeutet auch zuzugeben, wie dumm, dämlich, saublöd, naiv, hirnverbrannt und so weiter ich war. Wollte ich mir diese Blöße geben, gerade da ich immer getönt habe: „Mir passiert so etwas nie.“? Nein, sicherlich nicht!

Dann aber dachte ich: „Hey, Moment mal. Was bringt es mir, mich zurück zu ziehen?“ Ich denke, richtiger wäre es, darüber zu sprechen, auch wenn es sehr unangenehm ist. Worauf ich hereingefallen war, waren auch bereits andere hereingefallen. Was bringt es zu schweigen? Das muss bekannt werden! Andere informieren und warnen, damit sie nicht in die selbe Falle geraten.

Ich denke, dass es wichtig ist, Aufklärungsarbeit zu leisten und anschaulich darzustellen, wie vorgegangen wird, die Leute zu ködern. Soetwas wie mir soll Euch nicht passieren (schon klar, ihr werdet vermutlich NIEMALS Eure IBAN preisgeben – vernünftige Menschen tun das nicht, aber meine Vernunft ging leider flöten).

NIEMALS Kontodaten sowie ähnlich gelagerte persönliche Daten an Fremde weitergeben.

Bitte seid so lieb und teilt diesen Erlebnisbericht (z. Bsp. mithilfe eines Links auf diesen Beitrag) oder klärt auch ihr auf, auch wenn es Euch aktuell nicht betrifft.

Zum Schluss gewähre ich Euch noch ein paar Einblicke in die Vorgehensweise der Betrüger, sofern mir diese noch im Gedächtnis geblieben ist.

  • Ihr werdet von einer sehr freundlichen und höflichen Person angerufen, die Euch erzählen wird, dass ihr bei einem Gewinnspiel teilgenommen und gewonnen habt.
  • Diese Person erzählt Euch weiter, dass ihr unter den ersten 20 in der Endrunde (evtl. bereits schon der Gewinner) seid.
  • Euch wird etwas von einer Zeitschrift als Sponsor berichtet.
  • Aus einem Pool an Zeitschriften, die Euch vorgestellt werden, sollt ihr Euch eine Zeitschrift auswählen.
  • Dann werdet ihr darum gebeten, mit der Person am Telefon gemeinsam die Adressdaten abzugleichen.
  • Ihr werdet auch um die Mitteilung der IBAN gebeten.
  • Des Weiteren werdet ihr darüber informiert, dass ein weiterer Anruf zu Qualitätssicherungszwecken folgen wird.
  • Die letzten beiden Ziffern Eurer IBAN sollt ihr im zweiten Telefonat bestätigen.
  • Im zweiten Telefonat findet KEINE detaillierte Befragung zum Vorgespräch statt, die man von einer Qualitätssicherung erwarten würde.

Weiterführende Informationen

Mediawelt ruft an (Verbraucherschutz.com)
Betrug mit Gewinnspielen (Rechtsanwalt Thomas Hollweck)
Beitrag von „Der Pfaff“ (aus 2013, damals so aktuell wie heute)

Hier noch eine Auflistung von Rufnummern, von denen ich ständig angerufen wurde:

+49 521 7264996
+49 521 7264869
+49 521 7261326
+49 521 7264311
+49 203 7608806
+49 203 7602314
+49 203 7602490
+49 621 8022800

Es melden sich stets andere Personen. Hier ein paar Namen, die ich ausmachen konnte (eigene Recherchen im Internet):

Lisa Neumann (meine 1. Anruferin)
Jessica Herbst
Kevin Seidl
Sophie Stein
Tanja Schön


Fortsetzung folgt…